Ein Abstecher ins Hérault ohne vorherige Reservierung eines Quartiers hatte auch eine richtig schöne Seite. Zwar war das Quartier auf einem Weingut wirklich nur eine Verlegenheitslösung, nicht besonders sauber und bewohnt und die Hausfrau gab es uns während der Abwesenheit seines Bewohners. Aber die Vierbeiner dieses Hofes erwiesen sich als - hm - besonders.

Es gab einen Briard dort, das war der schmutzigste Hund, den ich je gesehen habe. Niemand machte sich die Mühe, sein langes Fell zu bürsten, aber er war wohlgenährt und total lieb und freundlich. Nur seine Untermieter - sprich Flöhe - und sein verklebtes Fell waren nicht wirklich ein Vergnügen. Aus diesem Grunde ließen wir ihn auch nicht ins Haus.

Während wir auspackten kamen auch die anderen Pfötchen, zwei winzige, aber ausgewachsene Katzen, ein Pärchen, beide kohlpechrabenschwarz, ohne ein weißes Härchen. Ich leerte unsere Kühlbox und verstaute den Inhalt im Kühlschrank im Küchenteil. Jedes Mal fischte ich zumindest eines der Kätzchen aus der Kühlbox, ehe ich den Inhalt entnehmen konnte. Sie ließen es sich anstandslos gefallen, aber die Neugier war halt immens. Wir waren etwas überrumpelt, hatten wir doch wirklich kein Hunde- oder Katzenfutter mit und es war Samstag Abend, also kein Laden hatte offen. Aber wir hatten Milch und Brot, und so stellte ich 2 Teller mit verdünnter Milch und eingebrockten Brotstückchen auf und die wurden auch im Nu geleert. Dann trollte sich das Katzenmädchen, aber der Kater blieb.

Er folgte mir auf Schritt und Tritt und während ich das Bett mit unserer eigenen Wäsche bezog, spielte er Fangen mit meinen Knöcheln. Er versteckte sich unter dem Bett, fuhr heraus, umarmte meinen Knöchel und versteckte sich wieder unter dem Bett. So nahm er Kontakt auf zu mir. Als ich fertig war, ging ich zur Tür und rief: "Komm, Katerchen, komm!" und tatsächlich lief der kleine Kerl hinter mir er und ich konnte die Tür zum Schlafzimmer schließen. Ich wollte ihn keinesfalls im Bett haben.

Der Küchenteil war durch eine Art Buffet vom Wohn- Eßraum getrennt und da richtete ich, nachdem ich die Küche einer intensiven Säuberung unterzogen hatte, unser Abendessen her. Natürlich wollte Katerchen dabei sein und sprang auf das Buffet. Ich streifte ihn sache hinunter, aber er kam immer wieder. Zuletzt faßte ich ihn an der Nackenfalte und setzte ihn mit der entsprechenden verbalen Unterstützung auf den Boden - da blieb er unten. Das hat mich beeindruckt.

Nach dem Abendessen sprang Katerchen auf einen leeren Sessel neben mir und wollte von dort auf meinen Schoß. Ich holte mir zuerst ein Handtuch, das ich über meine Hose breitete (das war das einzige warme Kleidungsstück, es war ein bißchen kalt geworden und ich wollte keine Katzenhaare darauf). Dann durfte Katerchen auf meinen Schoß. Er wühlte sich richtig in meine Magengegend und dann schlief er eine Stunde tief und fest. Ja, er schlief wirklich, während ich ihn sachte streichelte. Nach dem Aufwachen wurde er unruhig und lief zur Wohnungstüre, er wollte hinaus. Draußen regnete es in Strömen und so stand er eine ganze Weile zögernd auf der Schwelle, ehe er dem Ruf seiner Natur folgte. 

Am Morgen war er wieder da und seine Gefährtin auch. Aber sie wollte nicht hinein, sie fühlte sich im Haus nicht wohl. Katerchen hatte damit keine Probleme. Es war Sonntag, aber wir machten uns auf die Suche nach einem Laden, der geeigneteres Futter hatte. Leider war in dieser Gegend am Sonntag wirklich alles geschlossen und so mußte es bei verdünnter Milch und Brotstückchen bleiben. Ich bastelte ein kleines Spielzeug für unseren "Hausgenossen" - zusammengeknülltes Papier mit Faden umwickelt, sodaß eine Art Ball entstand und daran ein langer Faden. Katerchen ging auch gern auf dieses Spiel ein, sogar, als ich das Spielzeug an die Sessellehne hängte, während ich mich um unser Essen kümmerte. Er sprang auch nicht mehr auf das Buffet.

Nach dem Essen saß Katerchen erwartungsvoll auf dem leeren Sessel und sah mich an. Er wartete tatsächlich, bis ich das Handtuch ausgebreitet hatte, dann sprang er vergnügt auf meinen Schoß und gleich darauf war er wieder tief eingeschlafen. Ich muß sagen, dieser kleine Mann faszinierte mich und auch mein Mann war beeindruckt.

Nachts wollte er wieder hinaus und wir sahen ihn erst am nächsten Morgen wieder.

Der Montag war ein schöner Sonnentag und wir machten einen Ausflug in die weitere Umgebung. Als wir wiederkamen, war unser kleiner Freund mit seiner Gefährtin wieder da und sie bekamen ordentliches Futter vorgesetzt. Das war ein Schmausen! Danach spielten wir eine Weile mit dem Kater, während die Katze ihrer Wege ging. Nach dem Abendessen bestand er wieder auf seiner Schoß-Schlaf-Runde und wieder wartete er, bis das Handtuch an Ort und Stelle war. Die Intelligenz dieses Katers war unglaublich und er wollte so sehr gefallen. Ich muß gestehen, ich hatte bereits mein Herz an ihn verloren.

Am nächsten Morgen beschlossen wir aber abzureisen. Mir ging der Schmutz auf die Nerven und außerdem hatten irgendwelche stechenden Insekten während der Nacht mein Gesicht verwüstet. Es war total verschwollen. Das reichte und wir nahmen Abschied von unserer Hausfrau. Das fiel uns nicht schwer, wohl aber der Abschied von "unserem" Katerchen.

Während mein Mann unser Gepäck in das Auto räumte, spielte er wieder Fangen - diesmal mit ihm. Er sprang immer wieder zurück auf ein kleines Mäuerchen und lachte von seinen Schnurrbarthaaren bis zum Schwanzspitzchen. Es soll mir keiner weismachen, daß ein Tier nicht lachen kann - Tiere lachen nicht mit dem Gesicht, sondern mit dem ganzen Körper. So war es auch mit Katerchen.

Kleiner schwarzer Kater, du warst mir eine tiefe Freude und ich hätte dich so gern mitgenommen. Aber man kann aus einem halbwilden Kater kein Wohnungstier machen und seiner Gefährtin konnte ich das auch nicht antun, also mußte ich ihn zurücklassen. Mir tut heute noch das Herz weh.